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Flammender Appell für den Frieden

BAD KREUZNACH (16. Juni 2019). Natürlich geht von den Choristen des Abends keine Gefahr aus. Aber wie sie da zum Takt der Trommel im Gleichschritt durchaus hörbar auf die Bühne zumarschieren – das hat schon etwas Bedrohliches. Was der 1944 geborene englische Komponist Karl Jenkins durchaus beabsichtigt: Mit „The Armed Man – A Mass for Peace“ hat er ein ergreifendes und atmosphärisch dichtes Oratorium geschrieben, das der Konzertchor Capriccio mit Projektsängern sowie Studierenden der Universität Saarbrücken und dem Orchester Camerata Risonanza jetzt in der Pauluskirche aufführte.

(Foto: Kristina Schäfer)

Das Werk setzt ein deutliches Zeichen gegen den Krieg und für ein friedliches Miteinander unter den Nationen. Entstanden war die Musik vor dem Hintergrund des Kosovokonflikts. Zwei vernichtende Weltkriege und Atombombenabwürfe hatte die Welt zuvor erleben müssen. Gelernt hat sie daraus scheinbar wenig, blättert man die Zeitungen der Gegenwart auf oder führt sich die Bilder von waffenstarrenden Militäraufmärschen beispielsweise in Russland vor Augen.

Daher war das Konzert in der Pauluskirche auch ein flammender Appell, den alle Mitwirkenden mutig vortrugen. Dazu gehörte auch, dass nach dem Einmarsch und Eröffnungschor „L’homme armé“ (Der bewaffnete Mann) auf Arabisch der islamische Gebetsruf „Allahu akbar“ (Gott ist groß) erklang, vorgetragen von dem aus Syrien stammenden Monir Hamo. Dies in einer Kirche zu tun hatte die Verantwortlichen zuvor lange beschäftigt; das Durchringen zur Werktreue ist löblich und bewundernswert zugleich.

Bedrohlich geht es weiter: Dirigent Helmut Freitag lässt die tiefen Streicher eine besonders düstere Szenerie zeichnen, der Chor intoniert zusammen mit den Solistinnen Birgit Ensminger-Busse und Antonia Busse das „Kyrie eleison“, was einem durch Mark und Bein geht. Karl Jenkins hat mit seinem „The Armed Man“ ein stilistisch tiefes Werk geschaffen, das auch Momente des Musiktheaters beinhaltet. So rüstet man sich klangvoll zur Schlacht, erbittet für den Sieg gar Gottes Segen – die Bezüge zur Aktualität religiöser Auseinandersetzung sind beklemmend. Dass der Schauspieler Willy Praml die ins Messordinarium hinein montierten Gedichtvertonungen zuvor mit eindringlichem Vortrag übersetzt, verleiht der Aufführung zusätzlich Kontur.

(Foto-Collage: Karl-Heinz Günther)

Es kommt zur grausamen Schlacht, die Jenkins den Chor mit Gebrüll, Stöhnen, Ausrufen und Schmerzensschreien darstellen lässt. So etwas kann übertrieben und leicht peinlich wirken – hier fesselt es einen in seiner Eindringlichkeit. Die Stille im Anschluss ist fast mit den Händen greifbar – eine gespenstische Stimmung, die durch die weiteren Texte noch verdichtet wird: Berührend der Vortrag der Solistinnen, die in mit „Zornige Flammen“ mit Tenor Daniel Reupke an Hiroshima erinnern, grausam das über 2.500 Jahre alte Gedicht über „lebende Fackeln“ und dann verheißungsvoll das modulationsreiche „Agnus Dei“, tröstend das Cellosolo im „Benedictus“.

Den Musikern des Abends gelingt eine stimmige, sich selbst deutende und daher überzeugende und packende Interpretation. Rhythmisch mitreißend erklingt zum Schluss der Mahnruf, dass Frieden besser ist als ewig neue Konflikte zu schüren. Und der a cappella vorgetragene Schlusschoral („Gott wird abwischen alle Tränen“) fühlt sich an wie eine tröstende Umarmung. Nach dem letzten Ton ist es lange still, bevor sich das Publikum applaudierend von den Kirchenbänken erhebt. Zu Gast war der rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär Dr. Denis Alt – man hätte sich auch die Mächtigen der Welt und Religionsführer dort gewünscht.

(Text: Jan-Geert Wolff )

Eine weitere Aufführung von „The Armed Man“ wird es am 1. September 2019, 18.00 Uhr in St.  Stefan, Mainz geben. Diese Aufführung soll an den Beginn des 2. Weltkriegs vor 80 Jahren erinnern. Tickets im Vorverkauf über Ticket Regional oder an der Abendkasse.

(Foto: Kristina Schäfer)

Musikalische Impressionen zwischen den Jahren

Begeisterndes Konzert von Chor Capriccio und Vokalensemble Vocalisa in der Nikolauskirche, Bad Kreuznach

Schon in den vergangenen Jahren waren die Konzerte in St. Nikolaus unter der Leitung von Birgit Ensminger-Busse musikalisch höchst anspruchsvoll und ein Besuchermagnet. Eine Steigerung schien nur schwer möglich. Aber sie gelang mit dem aktuellen Auftritt! Unter dem Titel „Cantique de Noel“ begeisterten der von ihr geleitete Chor Capriccio und das Vokalensemble Vocalisa mit einem internationalen Programm, das sowohl geistliche als auch weltliche Stücke umfasste. Pfarrer Dr. Kneib konnte im Gotteshaus mehr als 400 Konzertbesucher begrüßen, viele davon hatten nur noch einen Stehplatz gefunden. Besonders die Stücke „Tollite hostias“ von Camille Saint-Saëns und „Jubilemus Salvatori“ von J. G. Albrechtsberger zeigten das hohe Niveau, auf dem sich der Chor Capriccio bewegt.

Zum Gelingen des knapp zweistündigen Konzerts trug auch Prof. Thorsten Mäder bei. Virtuos spielte er zu Beginn auf der Oberlinger-Orgel die Toccata aus der Sinfonie Nr. 5 von Charles Marie Widor sowie den Türkischen Marsch von Wolfgang Amadeus Mozart in einer jazzigen Bearbeitung vom George Fleury zur Einleitung des musikalischen Silvesterfeuerwerkes am Ende des Konzertes.

Ein Rückgriff auf die vergangenen Weihnachtstage bot die Salzburger Hirtenmusik, bei der Silke Schnepp-Mohr und Stefan Schnepp mit ihrem Flötenspiel besinnliche Stimmung schufen. Fehlen durfte hier natürlich nicht das vielleicht bekannteste Weihnachtslied „Stille Nacht“, das 1818 zum ersten Mal erklang – in einer Bearbeitung für gemischten Chor von W. Buchenberg.

Die Gemeinde war ebenfalls in das Programm eingebunden mit einem festlichen „O du fröhliche“ mit Orgel, Choroberstimmen und Zimbelstern. Aus 400 Kehlen tönte erhebend „Freue dich, o Christenheit“.

Die musikalische Brücke in das neue Jahr schlug dann Antonia Busse mit der Arie „Je veux vivre“ („Ich will leben“) aus der Oper Romeo und Juliette von Charles Gounod. Die Tochter von Birgit Ensminger-Busse, die zurzeit Operngesang an der Folkwang Universität der Künste in Essen studiert, verfügt schon jetzt über einen Sopran, der dieses anspruchsvolle Stück zu einem Erlebnis für alle Zuhörer werden ließ. Dass sie sich stimmlich in allen Lagen wohlfühlt, bewies auch die Zugabe „Cantique de Noël“ von Adolphe Adam, gemeinsam vorgetragen mit dem Chor Capriccio. Im langanhaltenden Applaus für alle Mitwirkenden, Standing Ovations für die junge Künstlerin und Dank auch für den „guten Geist“ der Kirchengemeinde St. Nikolaus, Küster Franz Powarcinsky, kam schon die Vorfreude auf das nächste Konzert in St. Nikolaus zum Ausdruck.

Text: Jürgen Breier, Fotos: Karl-Heinz Günther