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Name: Thomas Göbel
Angemeldet seit: 7. April 2016
URL: https://www.chor-capriccio.de/

Aktuelle Beiträge

  1. Flammender Appell für den Frieden — 30. Juni 2019
  2. Musikalische Impressionen zwischen den Jahren — 3. Januar 2019
  3. Konzert im Lichterglanz — 5. Dezember 2018

Liste der Autorenbeiträge

Flammender Appell für den Frieden

BAD KREUZNACH (16. Juni 2019). Natürlich geht von den Choristen des Abends keine Gefahr aus. Aber wie sie da zum Takt der Trommel im Gleichschritt durchaus hörbar auf die Bühne zumarschieren – das hat schon etwas Bedrohliches. Was der 1944 geborene englische Komponist Karl Jenkins durchaus beabsichtigt: Mit „The Armed Man – A Mass for Peace“ hat er ein ergreifendes und atmosphärisch dichtes Oratorium geschrieben, das der Konzertchor Capriccio mit Projektsängern sowie Studierenden der Universität Saarbrücken und dem Orchester Camerata Risonanza jetzt in der Pauluskirche aufführte.

(Foto: Kristina Schäfer)

Das Werk setzt ein deutliches Zeichen gegen den Krieg und für ein friedliches Miteinander unter den Nationen. Entstanden war die Musik vor dem Hintergrund des Kosovokonflikts. Zwei vernichtende Weltkriege und Atombombenabwürfe hatte die Welt zuvor erleben müssen. Gelernt hat sie daraus scheinbar wenig, blättert man die Zeitungen der Gegenwart auf oder führt sich die Bilder von waffenstarrenden Militäraufmärschen beispielsweise in Russland vor Augen.

Daher war das Konzert in der Pauluskirche auch ein flammender Appell, den alle Mitwirkenden mutig vortrugen. Dazu gehörte auch, dass nach dem Einmarsch und Eröffnungschor „L’homme armé“ (Der bewaffnete Mann) auf Arabisch der islamische Gebetsruf „Allahu akbar“ (Gott ist groß) erklang, vorgetragen von dem aus Syrien stammenden Monir Hamo. Dies in einer Kirche zu tun hatte die Verantwortlichen zuvor lange beschäftigt; das Durchringen zur Werktreue ist löblich und bewundernswert zugleich.

Bedrohlich geht es weiter: Dirigent Helmut Freitag lässt die tiefen Streicher eine besonders düstere Szenerie zeichnen, der Chor intoniert zusammen mit den Solistinnen Birgit Ensminger-Busse und Antonia Busse das „Kyrie eleison“, was einem durch Mark und Bein geht. Karl Jenkins hat mit seinem „The Armed Man“ ein stilistisch tiefes Werk geschaffen, das auch Momente des Musiktheaters beinhaltet. So rüstet man sich klangvoll zur Schlacht, erbittet für den Sieg gar Gottes Segen – die Bezüge zur Aktualität religiöser Auseinandersetzung sind beklemmend. Dass der Schauspieler Willy Praml die ins Messordinarium hinein montierten Gedichtvertonungen zuvor mit eindringlichem Vortrag übersetzt, verleiht der Aufführung zusätzlich Kontur.

(Foto-Collage: Karl-Heinz Günther)

Es kommt zur grausamen Schlacht, die Jenkins den Chor mit Gebrüll, Stöhnen, Ausrufen und Schmerzensschreien darstellen lässt. So etwas kann übertrieben und leicht peinlich wirken – hier fesselt es einen in seiner Eindringlichkeit. Die Stille im Anschluss ist fast mit den Händen greifbar – eine gespenstische Stimmung, die durch die weiteren Texte noch verdichtet wird: Berührend der Vortrag der Solistinnen, die in mit „Zornige Flammen“ mit Tenor Daniel Reupke an Hiroshima erinnern, grausam das über 2.500 Jahre alte Gedicht über „lebende Fackeln“ und dann verheißungsvoll das modulationsreiche „Agnus Dei“, tröstend das Cellosolo im „Benedictus“.

Den Musikern des Abends gelingt eine stimmige, sich selbst deutende und daher überzeugende und packende Interpretation. Rhythmisch mitreißend erklingt zum Schluss der Mahnruf, dass Frieden besser ist als ewig neue Konflikte zu schüren. Und der a cappella vorgetragene Schlusschoral („Gott wird abwischen alle Tränen“) fühlt sich an wie eine tröstende Umarmung. Nach dem letzten Ton ist es lange still, bevor sich das Publikum applaudierend von den Kirchenbänken erhebt. Zu Gast war der rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär Dr. Denis Alt – man hätte sich auch die Mächtigen der Welt und Religionsführer dort gewünscht.

(Text: Jan-Geert Wolff )

Eine weitere Aufführung von „The Armed Man“ wird es am 1. September 2019, 18.00 Uhr in St.  Stefan, Mainz geben. Diese Aufführung soll an den Beginn des 2. Weltkriegs vor 80 Jahren erinnern. Tickets im Vorverkauf über Ticket Regional oder an der Abendkasse.

(Foto: Kristina Schäfer)

Musikalische Impressionen zwischen den Jahren

Begeisterndes Konzert von Chor Capriccio und Vokalensemble Vocalisa in der Nikolauskirche, Bad Kreuznach

Schon in den vergangenen Jahren waren die Konzerte in St. Nikolaus unter der Leitung von Birgit Ensminger-Busse musikalisch höchst anspruchsvoll und ein Besuchermagnet. Eine Steigerung schien nur schwer möglich. Aber sie gelang mit dem aktuellen Auftritt! Unter dem Titel „Cantique de Noel“ begeisterten der von ihr geleitete Chor Capriccio und das Vokalensemble Vocalisa mit einem internationalen Programm, das sowohl geistliche als auch weltliche Stücke umfasste. Pfarrer Dr. Kneib konnte im Gotteshaus mehr als 400 Konzertbesucher begrüßen, viele davon hatten nur noch einen Stehplatz gefunden. Besonders die Stücke „Tollite hostias“ von Camille Saint-Saëns und „Jubilemus Salvatori“ von J. G. Albrechtsberger zeigten das hohe Niveau, auf dem sich der Chor Capriccio bewegt.

Zum Gelingen des knapp zweistündigen Konzerts trug auch Prof. Thorsten Mäder bei. Virtuos spielte er zu Beginn auf der Oberlinger-Orgel die Toccata aus der Sinfonie Nr. 5 von Charles Marie Widor sowie den Türkischen Marsch von Wolfgang Amadeus Mozart in einer jazzigen Bearbeitung vom George Fleury zur Einleitung des musikalischen Silvesterfeuerwerkes am Ende des Konzertes.

Ein Rückgriff auf die vergangenen Weihnachtstage bot die Salzburger Hirtenmusik, bei der Silke Schnepp-Mohr und Stefan Schnepp mit ihrem Flötenspiel besinnliche Stimmung schufen. Fehlen durfte hier natürlich nicht das vielleicht bekannteste Weihnachtslied „Stille Nacht“, das 1818 zum ersten Mal erklang – in einer Bearbeitung für gemischten Chor von W. Buchenberg.

Die Gemeinde war ebenfalls in das Programm eingebunden mit einem festlichen „O du fröhliche“ mit Orgel, Choroberstimmen und Zimbelstern. Aus 400 Kehlen tönte erhebend „Freue dich, o Christenheit“.

Die musikalische Brücke in das neue Jahr schlug dann Antonia Busse mit der Arie „Je veux vivre“ („Ich will leben“) aus der Oper Romeo und Juliette von Charles Gounod. Die Tochter von Birgit Ensminger-Busse, die zurzeit Operngesang an der Folkwang Universität der Künste in Essen studiert, verfügt schon jetzt über einen Sopran, der dieses anspruchsvolle Stück zu einem Erlebnis für alle Zuhörer werden ließ. Dass sie sich stimmlich in allen Lagen wohlfühlt, bewies auch die Zugabe „Cantique de Noël“ von Adolphe Adam, gemeinsam vorgetragen mit dem Chor Capriccio. Im langanhaltenden Applaus für alle Mitwirkenden, Standing Ovations für die junge Künstlerin und Dank auch für den „guten Geist“ der Kirchengemeinde St. Nikolaus, Küster Franz Powarcinsky, kam schon die Vorfreude auf das nächste Konzert in St. Nikolaus zum Ausdruck.

Text: Jürgen Breier, Fotos: Karl-Heinz Günther

 

 

Konzert im Lichterglanz

Chor Capriccio und SCC-Singers gastierten im Elsass

 

Das Elsass ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Aber ganz besonders in der Vorweihnachtszeit, wenn die Dörfer und Städte festlich geschmückt, Fachwerkhäuser und Bäume beleuchtet sind und wenn es auf den Weihnachtsmärkten verlockend duftet. Straßburg, Colmar und Kaysersberg waren daher die Ziele einer zweitägigen Chorreise von Capriccio und den SCC-Singers. Chorleiterin beider Chöre ist Birgit Ensminger-Busse. Mit einem Doppeldecker-Bus und mehr als 70 Gästen an Bord ging es von Bad Kreuznach ins Nachbarland. Der Samstagmittag stand in Straßburg zur freien Verfügung. Die Sehenswürdigkeiten Colmars wurden am nächsten Morgen bei einer Stadtführung entdeckt.

Höhepunkt war natürlich das große Konzert am Sonntagnachmittag in der Heilig-Kreuz-Kirche in Kaysersberg. Schon lange vor Beginn füllte sich das Gotteshaus bis fast auf den letzten Platz mit erwartungsfrohen Besuchern. In ihrer Begrüßung hob Chorleiterin und Organisatorin Birgit Ensminger-Busse die Beziehungen zwischen Bad Kreuznach und Frankreich hervor. Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle, die sich im Kurhaus in Bad Kreuznach vor 60 Jahren trafen, und damit einen wichtigen Schritt zur deutsch-französischen Freundschaft taten. Und zum Zweiten, habe der in Kaysersberg geborene Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer zur Einweihung der evang. Martinskirche in Bad Münster am Stein-Ebernburg vor 100 Jahren die Orgel gespielt.

Musikalisch ging es dann in die Vollen. Stücke in Deutsch, Englisch und Französisch standen auf dem Programm. Der Chor Capriccio begeisterte gleich zu Beginn mit Bachs „Freut euch alle“. Es folgten unter anderem Noel Nouvelet, ein französisches Lied aus dem 15. Jahrhundert, Tolite hostias von Camille Saint-Saens sowie Gloria festiva und African Noel. Das Ensemble Vocalisa zauberte mit Magnificat mittelalterliche Stimmung in den romanisch-gotischen Kirchenraum. Überzeugen konnten auch die SCC-Singers, ein kleiner Chor, der aus Mitarbeitern des auf chemisch-wissenschaftlicher Beratung spezialisierten Unternehmens SCC-GmbH besteht. Ihr „From a distance (in der Weihnachtsversion) und Christmas-Lullaby wurden wie alle anderen Lieder des Konzerts mit großem Beifall bedacht. Firmenchef und Mitsänger Dr. Friedbert Pistel: „Es war der erste Auftritt unseres Chors vor einem so großen Publikum. Aber durch die wöchentliche Probenarbeit waren wir gut vorbereitet.“ In ihren drei Solo-Auftritten zeigte schließlich die Sopranistin Birgit Ensminger-Busse über welch hervorragende interpretatorische Fähigkeiten sie verfügt. Ihr Cantique de Noel von Adolphe Adam als Finale berührte sichtbar die Herzen der Besucher. Mit stehenden Ovationen dankte das Publikum den Künstlern für dieses besondere vorweihnachtliche Konzert..

Sängerinnen, Sänger und die Begleitpersonen waren dann vom Bürgermeister der Stadt zu einem Empfang in den historischen Ratssaal geladen. Ein wunderbarer Abschluss dieser Chorreise. „Die Planungen für 2019 laufen bereits. Im Oktober ist eine mehrtägige Reise nach Venedig vorgesehen mit zwei Auftritten“, blickt Ensminger-Busse schon in die Zukunft.

 

Das nächste Konzert findet am 9. Dezember 2018 in der ev. Martinskirche Bad Münster statt: Weihnachtsmarkt und Weihnachtsmusik – Cantique de Noel III – Chormusik und Lieder zum Mitsingen

(Text: Jürgen Breier, Foto: Th. Göbel)